Interview
Johannes Haid, Vorstand der Hypo Tirol Bank AG
Juni 2022

„Die Hypo Tirol Bank in Wien ist ein einladender Kommunikationsraum“

Das größte Gut einer Bank ist das Vertrauen, sagt Johannes Haid, Vorstandsmitglied der Hypo Tirol Bank. Im Interview blickt er auf Entwicklungen im Bankwesen, die Geschichte der Hypo Tirol Bank in Wien und erklärt, warum diese eine Niederlassung ist.
Interview Titelbild
  • Wie andere Branchen ist auch das Finanzwesen starken Veränderungen unterworfen. Welchen Anforderungen muss eine Bank heute genügen?

    Johannes Haid: Das Geschäft ist heute wesentlich dynamischer und um vieles vergleichbarer. Vor allem wegen der Digitalisierung. Kundinnen und Kunden sind besser informiert und in vielen Dingen autark – Stichwort Internetbanking und digitale Services. Zu den zentralen Anforderungen gehört sicher, die digitale und die physische Welt zu verbinden. Es gibt Menschen, die ihre Bankgeschäfte am Schalter abwickeln möchten, und Menschen, die alles online erledigen. Als regionale Bank müssen wir natürlich beide Bereiche abdecken. Im Kern glaube ich an eines ganz fest: Geldgeschäfte sind Vertrauenssache. Waren es immer und werden es immer sein. Der direkte Kontakt mit unseren Kundinnen und Kunden ist uns deshalb wichtig und Teil unserer Philosophie. Bei wichtigen finanziellen Entscheidungen wünschen sich Menschen unserer Erfahrung nach immer noch einen kompetenten Ansprechpartner vor Ort.

  • Die Finanzkrise 2008 hat das Vertrauen vieler Menschen in das Bankwesen erschüttert. Worin sehen Sie die gesellschaftliche Verantwortung der Banken?

    JH: Wir sprechen heute von Environment Social Governance (ESG). Dieser Ansatz umfasst ökologische, soziale und gesellschaftliche Bereiche der Unternehmensführung, die nicht durch klassische Kennzahlen erfasst werden. Für Banken bedeutet das unter anderem, nachhaltig zu investieren, nachhaltig anzulegen, nachhaltig zu agieren – auf allen Ebenen des Unternehmens – und entsprechend zu beraten. Finanzinstitute nehmen eine Schlüsselrolle in der Gesellschaft ein. Jeder hat in irgendeiner Form mit einer Bank zu tun. Für mich ist die grundlegendste Form der Nachhaltigkeit, vor Ort zu sein, greifbar zu sein. Regionalität, räumliche Nähe gewinnt wieder an Wert. Gleichzeitig bedarf es einer Bewusstseinsbildung, dass in einer globalisierten Welt auch Finanzentscheidungen handfeste Auswirkungen auf die Lebenswelt von Menschen in allen Teilen der Welt haben.

  • Die Entwicklung weist verstärkt in eine andere Richtung. Sie begann mit Self-Service-Stationen, ging über Bankomaten bis hin zum Online-Banking und Kryptowährungen. Was bedeutet das für eine Regionalbank wie die Hypo Tirol Bank?

    JH: Viele sehen die Zukunft nur noch im Electronic Banking. Wir sehen das anders. Digitale Angebote und persönliche Dienstleistungen sind keine Frage von „entweder oder“, sondern von „sowohl als auch“ – sprich, sie ergänzen sich und schließen einander nicht aus. Es gibt Themen, die den direkten Austausch brauchen. Ein Chatbot ist ein gutes Angebot, aber nicht alles lässt sich damit klären. Wir sind Menschen, und wir brauchen Menschen. Das hat für mich weiterhin Bestand! Diese Linie vertreten wir als Hypo Tirol Bank auch in Wien. Siehe den Umbau der Niederlassung Wien zu einem offenen, kommunikativen Raum, der gleichzeitig die nötige Diskretion bietet.

Kurzbiographie
Johannes Haid

Der studierte Betriebswirt ist über verschiedene Positionen 2005 zur Hypo Tirol gekommen. Von 2012 bis 2013 war er Vorstand der Hypo Tirol Bank Italia. Bei der Überleitung der Aktiengesellschaft in eine EU-Filiale hat Johannes Haid federführend mitgearbeitet. Er stammt aus einem Tiroler Familienunternehmen und kennt die Anliegen der mittelständischen Wirtschaft. Seit 2015 verstärkt Johannes Haid den Vorstand der Hypo Tirol. Vielen ist er auch als Sportler bekannt. Als einer der ersten Europäer hat er in den USA erfolgreich Basketball gespielt.

Im Kern glaube ich an eines ganz fest: Geldgeschäfte sind Vertrauenssache. Waren es immer und werden es immer sein.
  • Die Hypo Tirol Bank feierte 2021 ihr 120-jähriges Bestehen. Ist eine erklärte Universalbank mit Fokus auf die Region Tirol und einem Standbein in der Bundeshauptstadt. Regional gesehen, global gesehen: Wo sehen Sie die Stärken der Hypo Tirol Bank?

    JH: Wir kennen die Menschen, und wir kennen die Märkte. Dank unseres klar definierten Marktgebiets verstehen wir die Lebensumstände, -einstellung und -träume der Menschen sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig stellen wir mit unserer Erfahrung, unserem Know-how und neuesten technischen Mitteln und Methoden sicher, dass wir unseren Kundinnen und Kunden Finanzdienstleistungen auf internationalem Niveau bieten können. Global denken – regional handeln: Dieser Leitsatz bringt unseren Anspruch auf den Punkt.

  • Wie passt eine Niederlassung in Wien ins Konzept einer Regionalbank?

    JH: Wien ist das finanzielle, politische, gesellschaftliche und kulturelle Zentrum Österreichs. Hier Präsenz zu zeigen, steht für uns in keinerlei Widerspruch zu unserem Auftrag als Bank des Landes Tirol. Sich zur regionalen Ausrichtung zu bekennen, bedeutet ja nicht, sich vom „Rest der Welt“ abzuschotten. Ganz im Gegenteil: Als weltoffene Regionalbank profitieren wir von einer „Schnittstelle“ zum nationalen und internationalen Parkett. In der Bundeshauptstadt fallen viele Entscheidungen, werden vielfältige Kontakte geknüpft, die auch einen unmittelbaren Einfluss auf Tirol haben.

Die Gestaltung der neuen Niederlassung verkörpert unsere Geisteshaltung: Transparenz und Offenheit dominieren durchgängig – nach innen und nach außen.
  • Mit dem Umbau geht die Hypo Tirol Bank in Wien einen neuen Weg. Die Niederlassung in der Tegetthoffstraße lädt zum Verweilen ein. Wie viel Tirol steckt in der Wiener, wie viel Wien in der Tiroler Hypo?

    JH: Mit dem Umbau ist uns die perfekte Symbiose zwischen beiden Welten gelungen. Wir haben die richtige Dosis Tirol eingebracht. Und wie man auch am Backend sieht, fühlen wir uns in Wien sehr wohl. Die Gestaltung der neuen Niederlassung verkörpert unsere Geisteshaltung: Transparenz und Offenheit dominieren durchgängig – nach innen und nach außen. Die Räumlichkeiten bieten alle Möglichkeiten: Gespräch, Austausch, Beratung – individuell, im kleinen Kreis, in größeren Gruppen. Das Design ist angenehm einladend, verströmt Wohlfühlen und strahlt Wärme aus. Weltoffen, geradlinig, gastfreundlich – das entspricht sowohl der Wiener als auch der Tiroler Mentalität und natürlich auch unserer.

  • Wie hat sich die Hypo Tirol Bank in Wien seit ihren Anfängen 1992 entwickelt?

    JH: Wie alles im Leben war es auch hier ein Lernprozess. Wir haben erkannt, dass wir in Wien nicht die Rolle als Universalbank einnehmen können und möchten, sondern uns vielmehr als Nischenanbieter etablieren werden. Das braucht natürlich Zeit und „Biss“. Beides haben wir investiert, und es ist uns gelungen, uns als Immobilienfinanzierungs- und Private-Banking-Experten einen Namen zu machen.

    Wir bezeichnen unseren Standort in Wien ganz bewusst als Niederlassung und nicht wie in Nord- und Osttirol als Geschäftsstelle – dies ist zum einen Ausdruck des differenzierten Marktauftrags und verleiht dem mondänen Großstadtflair Ausdruck, zum anderen sind unsere Geschäftsstellen ganz auf die kleingliedrige, regionale Struktur von Tirol ausgerichtet. Die neuen Räumlichkeiten sind ein Symbol dafür, dass wir hier unsere Nische gefunden haben und angekommen sind. Sie vereinen auf stilsichere Weise den mondänen Großstadtschick mit dem heimeligen Wohlgefühl, indem sie auf geschickte Art und Weise kühle, elegante Elemente wie Golddetails mit warmen, natürlichen Materialien zu einer Einheit verbinden und zeigen, dass beides seinen Wert und seine Berechtigung hat.

  • Als Manager tragen Sie große Verantwortung gegenüber der Hypo Tirol Bank, ihren Kundinnen und Kunden, der Gesellschaft. Was ist für Sie persönlich zentral, wenn es um Geldangelegenheiten geht?

    JH: Wer mich kennt, weiß: Ich bin niemand, der einen vergangenheitsbezogenen Blick auf die Welt hat. Mir liegt das Progressive mehr. Beim Thema Geldgeschäfte zähle auch ich zu den Traditionalisten, denen vor allem ein Wert essenziell wichtig ist – nämlich Vertrauen. Und das muss man sich bekanntlich hart verdienen – durch Diskussion, Identifikation und Aktion. Ich denke, so sehr wir in eine digitale Zukunft gehen, werden und dürfen Geldgeschäfte nie den Bezug zum Menschen verlieren. Schließlich ist Geld das Mittel, mit dem sich Menschen Ziele, Träume und Wünsche erfüllen – persönliche und kollektive – und was ist menschlicher als das?